Normalerweise erwartet man ja von sog. „Bio-Pics“-Filmen eine gewisse Vermischung der tatsächlichen Geschichte und fiktiven Ereignissen, doch hier ist alles so vorgefallen, wie es in Wirklichkeit passierte. Der Titel Wüstenblume ist übrigens die Bedeutung des Namens der Hauptfigur Waris Dirie.

Anders als gewohnt wird hier die Geschichte nicht in einer chronologischen Reihenfolge erzählt. Diese Erzählsweise holt den Zuschauer immer wieder auf den Boden der schockierenden Tatsachen zurückgeholt. Mit einer klaren Botschaft wartet der Film stets auf: Es ist keine Aschenputtelgeschichte im üblichen Sinne. Nichts, was Waris Dirie in ihrem Leben erreicht hat,  keine Topmodelkarriere oder die Flucht aus einem von Krieg geplagten Land, Somalia, kann aufwiegen, was die „Tradition“ (der Genitalverstümmelung) ihres Herkunftslandes genommen hat.

Wüstenblume
© Desert Flower Filmproductions

Die Rückblenden, die der Zuschauer erlebt, sind zutiefst schockierend und bewegend. Immer mehr versteht der Zuschauer die Hauptfigur, wodurch die Glaubwürdigkeit von Liya Kebede, die Waris Dirie spielt, von Minute zu Minute wächst. Es rückt fast in den Hintergrund, dass diese Frau so „erfolgreich“ wird und sich alle Hochglanzmagazine um sie reißen. Sie war z. B. die erste dunkelhäutige Frau, die auf dem Cover der Vogue zu sehen war. Viel mehr bringt sie durch diesen Film und auch ihrem autobiographischen Buch Millionen Menschen nahe, was in Afrika jeden Tag passiert und wie selbstverständlich gewisse Traditionen noch angesehen werden: Waris wurde mit 13 Jahren fast mit einem Mann verheiratet, der bestimmt 40 Jahre älter war als sie und alles nur, weil sie zum ersten Mal ihre Periode bekommen hatte.

Die Szenerie wechselt sich mit London und der Einöde der Wüste Somalias ab. Geheimnisvoll und düster ist die Stimmung durchgehend, immer ein großer Teil des Filmes, der Soundtrack, komponiert von Berliner Martin Todsharow (Phantomschmerz, 1 ½ Ritter), der zur Elite der deutschen Filmkomponisten gehört. Die Regisseurin Sherry Hormann lässt alles auf den letzten Moment zusammenlaufen, als Waris Dirie einer Journalistin ein Interview gibt und essentielle Dinge über sich preisgibt.

Wüstenblume [Blu-ray]
Herausgeber: Majestic - Auflage Nr. 0 (26.03.2010)
8,99 EUR

Heutzutage ist Waris Dirie UN-Botschafterin im Kampf gegen die Genitalverstümmelung in Afrika und auch Europa. Wüstenblume ist ein Film, der Dinge verändern soll und keineswegs einem Klischee entsprechen will. Wachrüttelnd, mutig, fesselnd, so wie Waris Dirie selbst, die sich als UN-Botschafterin heutzutage für den Kampf gegen Genitalverstümmelung in Afrika und auch Europa einsetzt.

Originaltitel: Desert Flower
Erscheinungsjahr: 2009
Dauer: 121 min
Regie: Sherry Hormann
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Budget: ca. $11.000.000
Einnahmen: $14.631.377 (weltweit)
(Quelle: IMDb)

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