The Upside Down

Die letzte Folge hat alles, was ich mir persönlich als Zuschauerin erhofft hatte.

Das Finale der ersten Staffel Stranger Things beginnt mit einem absoluten Knaller. In den Verhörräumen des Hawkins Laboratorium werden Joyce und Hopper in die Mangel genommen. Hopper, der dermaßen sympathische geistreiche Polizeichef tauscht Eleven und ihren Aufenthaltsort bzw. ihr Leben gegen Will und seine Jungs ein. Er nennt sie sogar Dr. Brenners kleines wissenschaftliches Experiment! Wer hätte so etwas für möglich gehalten. In einer Folge in der Dustin mal wieder „er hat recht“ über „er hat recht“ einkassiert, liegt er auch bei Hopper richtig. Lando Calrissian! Er vergleicht die Situation mit der einer Figur in Star Wars (natürlich.) Hört nicht mit den 80er-Verweisen auf!) Und was er sagen will ist, dass Hopper sich ebenso in der Bredouille befindet: Wie Lando könnte ihm vielleicht keine andere Wahl bleiben, als eine schlechte Vereinbarung mit den bösen Männern (wie Lando mit Darth Vader) treffen zu müssen, um wenigstens einen Teil der Kinder zu retten. Doch, dass er es wirklich mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, damit hatte man sicher nicht gerechnet. Vielleicht auch nur ich weil ich immer mehr mit dem Guten rechne. Vor allem widerspricht dieses Verhalten den Rückblenden dieser Folgen, in denen man zum ersten und wohl einzigen Mal Hoppers Tochter Sara (Elle Graham) sieht, und den Leidensweg der Familie Hopper als sie erkrankt und verstirbt.

In dieser Folge sehen wir auch immer mehr vom Upside Down, während Joyce und Hopper sich in ihren Schutzanzügen hinter die schleimige, narbenanmutende Schicht einer Masse begeben, die irgendwie organisches Leben zu haben scheint. Wir erfahren, dass die Schutzanzüge nötig sind, da die Atmosphäre dort giftig ist und ein weiteres, zum Glück fast letztes Mal, machen wir uns Sorgen um Will. Auch fühlen wir mit Hoppers Tochter mit und die Zwischenschnitte von ihr im Krankenhaus und parallel der Suche im Upside Down sind perfekt getaktet für die emotionale Reaktion des Zuschauers. Hopper coacht ebenso Joyce ruhig zu bleiben und tief durchzuatmen, so wie er es einst bei seiner Tochter tat, als zum ersten Mal Symptome einer tödlich endenden Krankheit auftauchten. Wir sorgen uns um Will als wir durch Joyce Augen das zerstörte Castle Byers sehen und wir fühlen Bedauern, als Wills Kuscheltier dasselbe war, dass seine Tochter im Krankenbett bei sich hatte.

Stranger Things – S1 – Folge 8
© Netflix

Derweil führen Nancy und Jonathan ihre Monsterjagd fort und ihren Plan (mit Bärenfalle) aus. Doch unverhofft kommt Steve dazu, der sich durch eine Entschuldigung und aufrichtiger Sorge um Nancys Hand („Das Monster wird durch Blut angezogen“) nun ungewollt mitten in die Jagd begibt und den Vertreter einer unwissenden und neu schockierten Person gut vermittelt. „ Oh mein Gott! Oh Gott!“ und „vorsichtig mit dem Ding!“ spricht er den Baseballschläger mit cm-langen Nägeln darin an und ist schockiert, als Nancy mit einer Waffe auf ihn zeigt. Noch weiß er nicht, wieso Jonathan und sie ihn schleunigst loswerden wollen. Doch nur einen Moment später, sieht er selbst das Monster durch die Decke bersten und bevor er sich versieht springt er über die strategisch positionierte Bärenfalle und versteckt sich mit Nancy und Jonathan in Wills Zimmer. Danach verschwindet das Monster wieder. Nancy fleht ihn wieder an zu gehen und fast als er dem Folge leistet, überwindet er sich wie so viele tapfere Charaktere von Stranger Things, zu bleiben, sich dem Bösen zu stellen und das zu beschützen, was ihm lieb und teuer ist (und Jonathan auch). Das Monster wird also in der zugeschnappten Falle zum Stillstand gebracht und sie haben die Möglichkeit es à la The Thing anzuzünden, doch zerstören es leider nicht. Sie verletzen es nur.

Die süßeste Szene der Staffel wird ebenso in dieser Folge dargeboten. In einem ruhigen Moment (während Dustin sich auf die Jagd nach Schokoladenpudding macht) verspricht Mike Eleven endlich ein normales Leben führen zu können, wenn all das vorüber sein wird. Sie glaubt ihm und der Zuschauer auch. Es ist süß, wie er vorschlägt, dass zwar seine Mutter ihre neue Mutter sein wird und seine Schwester ihre neue Schwester, doch er auf gar keinen Fall ihr neuer Bruder sein wird. Denn er weiß zwar nicht viel, Zitat Mike, doch er weiß, dass man nicht mit der Schwester auf den Schneeball geht. Und auf diesen möchte er gerne mit Eleven gehen. Zitat Mike Ende. Und dann folgt ihr erster Kuss. Unschuldige erste Gefühle von Liebe und Zuneigung unter Kindern konnte Stranger Things also auch noch wie den Nagel auf den Kopf treffen und auf die Leinwand bringen. Oder ich bin nur ein Superfan. So oder so… seufz.

Stranger Things – S1 – Folge 8
© Netflix

Wie dem auch sei, der knallharte Moment folgt sogleich. Eleven befördert eine handvoll von Dr. Brenners Mitarbeitern ins Jenseits. Sie lässt sie elendig aus den Augen und Ohren bluten und zerquetscht dazu wahrscheinlich all ihre inneren Organe par excellence. Die Jungs revanchieren sich genauso gleich, denn sie sagen Dr. Brenner, dass er sie erst töten muss, bevor er Eleven mitnehmen kann. „Papa“ versucht es bei der fast katatonischen Eleven mit seiner üblichen Manipulation und leerer Versprechungen. Doch dieses Mal hat sie einen Freund, vielleicht den Freund, in Mike gefunden. Und statt nach Papa zu rufen, flüstert sie Mike, Mike, Mike. Dem folgt Mike und sagt: „Blut. Blut.“ Die Kamera fährt demonstrativ über all die Leichen und dem überall verteilten Blut jener. Und das Monster kommt und schmettert sich durch die Ziegelmauer des Schulgangs. Endlich bekommt Dr. Brenner was er verdient. Den Tod durch die Kreatur, die er ja aufspüren wollte.

Ein kleiner Alienmoment im Upside Down: Hopper inspiziert ohne jegliche Angst eine Art Alien-Ei bzw. gelben Kokon, welcher aufgebrochen aussieht. Wie in Ridley Scotts Meisterwerk Alien. Ein weiteres Mal wird zwischen ihm und seiner Erinnerung hin- und hergeschwenkt als Joyce endlich ihren Sohn findet und dieser mit einer Art von lebender Schlangen-Intubierung an einer Wand hängt. Hopper in Nahaufnahme folgt und dann seine kleine Tochter, mittlerweile mit Glatze intubiert. Wie immer reißt sich unser Held zusammen und hilft Joyce, ihn davon zu befreien und wiederzubeleben, genauso wie es die Ärzte leider erfolglos, bei seiner Tochter versucht hatten. Doch hier gelingt es ihm. Er hat alles daran gesetzt ihn zu finden, sein Leben und das Leben von den Jungs und Eleven aufs Spiel gesetzt um ihn zu finden und er wird ihn nicht sterben lassen. Er schlägt ihm auf die Brust wieder und wieder und plötzlich ist Will wieder da und nimmt einen tiefen Atemzug.

In Gesprächen mit Freunden über Stranger Things haben viele angedeutet: „Es war doch klar, niemand kann das Monster besiegen, außer Eleven.“ Der Meinung war ich nicht, ich dachte, es würde schon mit Waffen- und roher Gewalt funktionieren. Doch im Nachhinein ergibt es wohl am meisten Sinn. Da ich aber allein mit dieser Theorie stand, gab es bestimmt auch nicht so viele Zuschauer, die wie ich dachten, dass Lucas das Monster fast mit seiner Steinschleuder besiegt hatte. Ich war schockiert und doch überzeugt, als diesen letzten Stein in Zeitlupe wirft und das Monster an die Tafel geschleudert wird, dass er es war. Doch natürlich, kommt dahinter die erschöpfte Eleven vor, diesmal mit rot unterlaufenen Augen und ihrer letzten Kraft. Mike will sie aufhalten, wohl wissend, dass sie sich noch umbringt, wenn sie ihre ganze Kraft aufbraucht. Doch sie schleudert ihn wie einst Lucas zurück. Er kann sie nicht aufhalten, niemand kann sie aufhalten. Sie verabschiedet sich bei Mike, welcher schon weint. „Nicht mehr“ sagt sie und bringt das Monster unter ihrem Schrei zum Verkohlen und beide verschwinden ins Nichts. Dieses Ende wäre stark doch ohne Substanz für eine solche Serie. Also bekommt der Zuschauer zumindest ein halbes Happy End und sieht Will, wie er sich langsam im Krankenhaus umgeben von all seinen Liebenden erholt und danach mit seiner Familie Weihnachten feiern kann. Der Fortsetzung wird der Weg bereitet indem er sich plötzlich, als er im Bad ist im Upside Down wiederfindet und einen merkwürdigen schleimigen lebenden Egel hochwürgt.

Somit endet die erste Staffel und ein paar Tage vor Halloween startet nun endlich die lang erwartete zweite Staffel, Stranger Things 2. Wir dürfen gespannt sein und ich freue mich besonders auf zwei persönliche Ikonen der 80er, Paul Reiser (Alien – Die Rückkehr) und Sean Astin (Die Goonies, Boy Soldiers).

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