Das Monster

„Lesen Sie Stephen King?“ Die Frage wird in dieser Folge direkt an Joyce und Hopper gestellt. Ich frage mich, was Nicht-Fans wohl in diesen Momenten, die bei Stranger Things alles andere als rar gesät sind, wohl reagieren. Screen-seen.de hüpft jedenfalls immer ein bisschen freudig von der Couch bei diesen Anspielungen. Die Duffer Brüder haben sich jedenfalls auch einen Platz an der Seite des „King of Horror“ als ebenbürtige Monster-Spezialisten verdient.

Diese Folge hätte auch Monster in der Mehrzahl heißen können. Denn hier wird nahe gelegt, dass Hawkins (bzw. die Welt) in Wirklichkeit voll von Monstern ist und das diese nicht nur in einer anderen Dimension leben und erst durch das Öffnen eines Tores zu uns gelangen können.

Nachdem Nancy dem Upside Down knapp entrinnen kann und sich mit Jonathan von dem Erlebnis versucht zu erholen, wird auch Steves Welt auf den Kopf gestellt. Eigentlich zu ihrem Fenster hochgeklettert, weil er um sie besorgt war, sieht er sie mit Jonathan auf ihrem Bett sitzen. Er ist schockiert und nachdem er sich eigentlich gegen Ende der letzten Folge sympathisch zeigte, ändert sich das in dieser, der Monster-Folge. Denn so wie viele der Protagonisten, wird er zu Monster und zeigt seine hässliche und dunkle Seite. Der Einzige, der wieder der ewige Fels in der Brandung ist, ist unser Liebling, Dustin. Er ist wie immer die Stimme der liebenswerten Vernunft und versucht die ganze Folge über, Mike und Lucas wieder zu vertragen, welche beide gute Gründe haben, extrem sauer und enttäuscht übereinander zu sein und deswegen auch ihre Monster-Seite zum Vorschein kommt.

Stranger Things – S1 – Folge 6
© Netflix

In dieser Folge wird die Parallele zum Hai noch einmal von Nancy gezogen. Das Monster ist ein Raubtier, es immer alleine, es jagt alleine und es riecht Blut aus weiter Entfernung. Sie schmieden also den Plan, es mit ihrem Blut anzulocken. In der nächsten Szene sehen wir ein menschliches Monster, vermeintlich eine AV-Club (audiovisueller Verein) affine Frau, welche in Wirklichkeit nur auf der Suche nach den Kindern ist, um sie mundtot zu machen oder gar zu töten.

Doch welches Monster in dieser Folge aus den meisten verschiedenen Winkeln als solches offenbart wird ist Dr. Brenner. Denn man erfährt, dass dieser schon seit den 50er Jahren Experimente mit Menschen durchführt und sie wie Versuchskaninchen mit Drogen vollpumpt. Natürlich ohne Rücksicht auf Verluste schrak er sogar nicht davor zurück, einer schwangeren Frau ihr Baby wegzunehmen, das Gehirn vorher zu Matsch werden zu lassen und sie auch noch als Verschwörungstheoretikerin darzustellen, um ihr jegliche Glaubwürdigkeit (vielleicht auch in sich sich selbst) zu rauben. Er hat kein Problem damit, Eleven in einen Isolationstank zu stecken und das unbekannte Monster aufzusuchen, dem sie zuvor alleine begegnet ist. Gottgleich erklärt er ihr, dass es ihr nicht schaden kann und setzt so Wissen über eine ihm absolut fremde und unbekannte Welt voraus, in der er nie war.

Nach einem Streit mit Mike begibt sich Lucas alleine auf die Suche nach Will. Nachdem er an der Quelle der magnetischen Anziehung ankommt und sich dem Zaun des Hawkins Laboratorium alleine gegenüber sieht, verhält er sich wie ein richtiger Freund und warnt Lucas und Mike vor dem Monster Dr. Brenner, der sich mitsamt seiner Entourage und schwerer Artillerie auf den Weg zu seinen Freunden macht. Er ist eben kein wirkliches Monster, wie einige Charaktere es dafür umso mehr sind.

Stranger Things – S1 – Folge 6
© Netflix

Als sich Jonathan und Nancy auf Monsterjagd begeben wollen, kommt wieder das Monsterthema der Folge hervor, denn hier wandelt sich Steve, der sowieso eher zur High School-Idiot-Seite (auch typisch 80er Jahre Teeniefilme) gehört, zum eifersüchtigen und herzlosen Monster. Seine eigentliche Freundin wird als Schlampe in Graffiti verewigt, gleichzeitig beleidigt er Jonathan aufs Niveauloseste und zieht auch noch den verschwunden Will in seine Rage hinein. Daraufhin gibt es eine blutige Schlägerei zwischen Steve und Jonathan, die Jonathan sogar auf die Polizeistation bringt.

Für mich die bisher beste und spannendste Szene der Staffel (soweit jedenfalls) ist die am Steinbruch. Auf ihrer Suche nach Eleven werden die Jungs von den Schulmonstern, Troy und James im Wald entdeckt und als wüssten sie was bevor steht laufen sie panisch davon. Der Showdown danach findet vor der Szenerie des machtvollen und gefährlichen Steinbruchs statt und es gibt ein weiteres Nicken in Richtung des King of Horrors. Als Troy Dustin gewaltsam mit vorgehaltenem Messer festhält und droht, ihm die Milchzähne herauszuschneiden erinnert dieser Bösewicht an den aus Stephen Kings Feder und deren Verfilmung Stand by me – das Geheimnis eines Sommers entstandenen Ace Merrill, in der deutschen Version „treffend“ King genannt; Dieser bedroht auch eine Gruppe Jungs mit einem Springmesser. Damit Dustin seine Milchzähne behalten darf opfert sich Mike auf und springt direkt von der Klippe in den eigentlich sicheren Tod. Als die Jungs dann auf den Abgrund zu rennen, sehen sie Mike – in der Luft schwebend (und ich hatte kurz ein Déjà-Vu von Cabin in the Woods). Natürlich ist es Elevens Macht, welche ihn schweben lässt. Marschierende Syntheziser untermalen ihren heroischen Auftritt  bzw. Mikes und Dustins Rettung. Denn trotz ihrer Fähigkeiten und Ermordungen (der Bösen) ist sie kein Monster! Sie rettet Mike und „gibt den Schul-Mobbern was sie verdient haben.“ James wird nur weggeschubst, doch Troy bricht sie den Arm. (Yay?)

Erschöpft gesteht sie Mike, dass sie schuld an der Öffnung des Tores ist. Sie nennt sich selbst Monster, doch Mike verneint sofort. „Du bist nicht das Monster, du hast mich gerettet. Verstehst du nicht, du hast mich gerettet!“ Sie fallen sich in die Arme und wie sollte es anders sein, als das Dustin sich einfach schützend darüber in die Umarmung miteinklinkt. Ich liebe Dustin.

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