Der Floh und der Akrobat

Nach all der Ungereimtheiten und Mysterien der ersten Hälfte der ersten Staffel bietet sich in dieser Folge endlich der Zusammenschluss loser Enden. Die Charaktere könnten aufeinander zugehen und ihr Wissen teilen, womit sie sich dann vereinter Kräfte gegen Hawinks Laboratorium oder das Upside Down stellen könnten. Leider geschieht nichts dergleichen, natürlich auch der Handlung wegen. Wie so oft auf der Leinwand zu sehen entscheiden sich die Charaktere gegen Logik und Vernunft und hören mehr auf ihre emotionale Mitte in Bezug auf ihre Vorgehensweisen.

Hopper ist das erste Beispiel dieser Folge dafür, in welcher er alleine und trotz (hunderten?) Videokameras versucht sich unauffällig in Hawkins Lab zu schleichen. Ich kann zwar gut mit „unrealistischen“ Handlungen der Charaktere leben, aber für die, die es nicht können, gibt es von ihm zumindest ein bestätigendes Kopfschütteln à la „Jetzt ist es sowieso zu spät“ als er hinter den Plastikvorhang mit dem Zeichen biologischer Gefahr verschwindet. Ebenso räumt der Sicherheitschef, als er ihn erwischt, ein, „Hast du die Videoüberwachung vergessen, Kumpel?“ Bevor wir uns richtig um Hopper sorgen können, nachdem er mit einer Spritze in den Hals überwältigt wird, wacht er schweiß gebadet auf seiner Couch, umgeben von Tabletten und Bierdosen wieder auf. Ein kluger Schachzug der bösen Jungs, schließlich können sie den Polizeichef nicht einfach verschwinden lassen.

Stranger Things – S1 – Folge 5
© Netflix

Obwohl Eleven auch über das Upside Down Bescheid weiß, sowie wie man dort hinkommt, verneint sie jegliche Kenntnisse darüber, als Mike sie fragt, ob sie weiß, wie man dorthin kommt. Sie könnte den Jungs natürlich sagen, dass es dort sehr gefährlich ist und sie Angst um sie hat, doch sie unterlässt es. Die Handlung und ihre emotionale Mitte lassen es nicht zu. Dungeons & Dragongs Fans freuen sich bestimmt, als Dustin die Regeln des Schattentals vorliest und diese mit dem Upside Down vergleicht. Und während Jonathan sogar einen Fotobeweis (!!!) für das Monster hat (und Joyce langsam immer weiter Gefahr läuft, ihren Verstand zu verlieren), will er ihr nicht über das Bild oder Nancy erzählen, welche das Monster auch schon sah. Er möchte es ihr (natürlich) erst sagen, wenn das Monster tot ist. Des Weiteren schrumpft er wieder zu einem kleinen Jungen zurück unter der Autorität und Idiotie seines plötzlich zurück gekehrten Vaters.

Eine goldige Szene ist die zwischen dem Lehrer Mr. Clarke (Randy Havens) und den Jungs, welche diesem Kapitel auch den Titel gibt. Die Jungs stellen sich trauernd dar, während Dustin von den Snacks auf der Trauerfeier enttäuscht ist. Ich liebe diese Serie. Mr. Clarke beantwortet all die theoretischen Fragen, die die Jungs über andere Dimensionen haben, anschaulich und auf eine faszinierende, doch simple Art und Weise. Ebenso kennt er Dungeons & Dragons. Ein toller, nerdiger Lehrer.

Stranger Things – S1 – Folge 5
© Netflix

Mit dieser Veranschaulichung und Dustins Entdeckung, dass sein Kompass nicht richtig funktioniert, werden dem Zuschauer einige Dinge näher gebracht. Wie auch die Nadeln der Kompasse in alle Richtungen zeigen, statt der einen richtigen Richtung, nämlich Norden, spielt das Innenleben aller Charaktere verrückt und Gedanken oder Handlungsweisen gehen in alle möglichen Richtungen. Aufgrund ihrer vielen verschiedenen Gefühle, ist ihr Innenleben nicht mehr in Balance, ihre emotionale Schwerkraft ist aus den Fugen geraten. Für jeden gab es ein oder mehrere Ereignisse, die das ausgelöst haben. Und nachdem Dustin schlussfolgert, dass das Tor in diese andere Dimension gefunden werden kann, indem man den Kompassen folgt (insgesamt haben diese ein bisschen sonderbaren Kinder 7 Kompasse untereinander, absolut hinreißend) begeben sie sich auf die Suche danach. Hier wieder eine herzerwärmende Hommage an Stephen Kings die Leiche und Rob Reiners Verfilmung Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers mit ihrem Spaziergang auf Zugschienen im Wald. Die emotionalen Kompasse von Lucas und Mike geraten weiter außer Kontrolle, als Lucas bemerkt, dass mit El etwas nicht stimmt. Sie benimmt sich merkwürdiger als sonst, fällt ihm auf. Nachdem sie das Tor nicht finden, weil die magnetische Anziehung anscheinend wandert, läuft Lucas zielsicher auf Eleven zu und bemerkt an ihr frisches Blut. Sie hat verhindert, dass sie das Tor finden und sorgt für einen großen Streit zwischen Mike und Lucas.

Hier wird zum ersten Mal die Frage aufgeworfen, ob sie vielleicht genauso ein Monster ist, wie das aus dem Upside Down. Kurz darauf schleudert sie Lucas auch noch durch die Luft, um einen Kampf zwischen ihm und Mike zu beenden, was nicht gerade zu ihrem guten Ruf beiträgt und die Freundschaft der Jungs gefährdet. Parallel gibt es dazu in Einblendungen eine Szene, wie Eleven einen russischen Mann verfolgte und kanalisieren musste, indem sie in einen Wassertank steigt. Dort hört man dann auch das Geräusch des Monsters und der Zuschauer bemerkt, dass sie vielleicht etwas mit dem Auftauchen dieses Monsters zutun hatte.

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Da die letzte Szene von Nancys Dummheit gekrönt ist, schließen wir hier mit der besten letzten Szene ab. Denn während Jonathan und Nancy auf der Jagd nach dem Monster sind – sie sind mit einer Waffe und einem Baseballschläger ausgestattet – und Nancy nachdem sie merkwürdigen und pulsierenden Schleim in einem Baumstamm bemerkt einfach hineinklettert, zeigt sich Hopper wieder überintelligent. Der Arme muss zwar millionen Weihnachtslichterglühbirnen abmontieren um Wanzen auszuschließen, doch schließlich gibt er Joyce endlich ihre wohl verdiente Anerkennung. Jemand ist hinter ihm her, er weiß nicht, wer es ist, die CIA, NSA,… sein Zuhause wurde verwanzt und ihres vielleicht auch. Denn sie hatte recht. Wills Leiche war eine Fälschung, diese ganze Zeit über hatte sie recht.

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