Grausame Nacht

In der Eröffnungsszene der dritte Folge sehen wir zum ersten Mal einen der Charaktere mitten im kargen, dunklen Upside Down. Der erste kurze Eindruck dieser anderen Welt reicht völlig um zu vermitteln, hier ist alles höchstwahrscheinlich lebensbedrohlich. Man sieht zwar Barb in dieser Situation, doch gleichzeitig denkt man an Will, der dort auch entweder gefangen ist oder allein umher irrt. Blut spuckend wacht sie in Steves leerem Pool auf und ein schriller Schrei entweicht ihr (und bestimmt einigen Zuschauern) als sie das Wesen, von den Kindern Demogorgon benannt, zum ersten Mal klar und deutlich sieht. Eine blasse, graue Kreatur, welche perfekt in diese Welt hinein passt; noch monströser gemacht, weil sie kein Gesicht hat. Vor dem Intro noch wird sie, bevor sie aus dem Pool steigen kann, vom Demogorgon gepackt und verschwindet in die Tiefe.

In dieser Folge bekommen die Charaktere mehr Substanz und werden immer mehr ausgearbeitet. Jonathan und Joyce werden immer mehr von Wills Verschwinden eingenommen, wobei es für die Zuschauer am schlimmsten ist, dass ihr niemand Glauben schenkt und wir doch alle wissen, dass sie im Recht ist. Jonathan bezweifelt ebenso immer mehr die Zurechnungsfähigkeit seiner Mutter, was ihm deutlich das Herz bricht. Als sozial unbeholfener Einzelgänger streift er durch die Schule, wir wissen allerdings nicht einmal, ob er diese erfolgreich beendet hat.

Stranger Things – S1 – Folge 3
© Netflix

Auch die Jungs werden in ihren Rollen und Charaktereigenschaften gefestigt und wirken dabei immer glaubhaft. Die Dialoge die sie führen sind so realistisch, dass sie von Steven Spielberg oder Stephen King selbst stammen könnten, welche immer authentische Dialoge unter Kindern zu Blatt und auf die Leinwand gebracht haben. Überhaupt scheint Stranger Things immer am meisten wenn die Kinder mit all ihren kindlichen Herangehens- und Sichtweisen sowie Überzeugungen im Mittelpunkt stehen. Dustin ist der verlässliche, unbekümmerte und lustige Typ, der die Gruppe zusammen hält. Typischerweise bringt dieser auch zu einer gefährlichen Expedition (um Leben und Tod?) keine Waffen mit, sondern Snacks. Für den etwas härteren und Skeptiker der Gruppe Lucas hingegen sind Waffen und auch Krieg kein Fremdwort. Er bringt ein riesiges Armeemesser (aus Vietnam) und Fernglas (aus Vietnam) mit. Und auch wenn in Mike zweifellos ein fast weiser, vorurteilsfreier und fürsorglicher Typ innewohnt, wenn es z. B. um Eleven geht, so kommt wieder der realistischste Tonus hervor, sobald seine Mutter zum zigsten Mal nach ihm rufen muss und er hysterisch schreit: „KOMM JA SCHON!“ Wie immer muss man anmerken, dass das Gebrüll eines gehetzten „COMING!“ so viel aussagekräftiger und urkomisch war!

Wie immer glänzt Hopper beim Besuch des Hawkins Laboratorium mit seiner charismatischen Intelligenz und Scharfsinnigkeit. Er verschafft sich wortgewandt Zugang ohne Zutritt zu haben und geht klüger wieder hinaus. Seine Gehilfen haben den Namen eigentlich gar nicht verdient, da sie so sind, wie man sich wohl stereotypische Hilfspolizisten und dergleichen vorstellt. Hopper sieht sich unbeeindruckt, als ihm das Band des Abends des Verschwindens von Will ansieht. Ob seinen Kollegen etwas dabei auffiel fragt er, obwohl er die Antwort schon kennt. Auf dem Band war kein Regen zu sehen, jedoch musste der Suchtrupp sogar aufgelöst werden, da ein Sturm im Anmarsch war…

Weitere Flashbacks in Elevens Vergangenheit offenbaren nur weitere schreckliche Erlebnisse eines traumatisierten und telekinetischen Kindes. Ein warmes Gefühl der Nostalgie wird abermals Steven King Fans überkommen, wenn man sie bei Versuchen sieht und sich an Feuerkind zurück erinnert, dass Buch sowie der Film mit einer 9 jährigen Drew Barrymore. Man hat mit ihr Mitleid, nachdem sie sich weigert, einer Katze mit Kraft ihrer Gedanken etwas anzutun und man hat immer noch Mitleid mit ihr, nachdem sie kurzerhand zwei Wächter tötet. Die ganze Folge über kann Nancy nun auch ein wenig mehr glänzen, während sie sich auf der Suche nach Barb immer mehr und mehr Sorgen macht. Sie entdeckt Barbs Auto am Wegesrand und kann auch einen kurzen Blick auf den Demogorgon werfen.

Stranger Things – S1 – Folge 3
© Netflix

Während alle sich auf ihre eigenen Missionen begeben und diese natürlich als Helden abschließen wollen, verfestigen sich immer mehr die Absichten der Figuren und die Auswirkungen der Erlebnisse ziehen immer weitere Kreise. Polizeichef Hopper wird nach einiger Recherche immer klarer, dass etwas nicht mit dem Hawkinslaboratorium nicht stimmt und dass das Verschwinden von Will damit irgendwie zusammen hängt. Joyce „spricht“ mit ihrem Sohn und wir erfahren, dass er noch lebt, aber nicht sicher ist, dort wo er sich befindet. Sie befindet sich ebenso auf einer Mission, von der sie niemand abbringen wird. Buchstaben an die Wand pinseln und sich in einem kleinen Schrank zusammen kauern mag vielleicht verrückt aussehen, doch obwohl Joyce sich darüber klar ist, nimmt sie es in Kauf um mit ihrem Sohn sprechen zu können. Die Kinder sind hingegen auf dem Fahrrad (ein anerkennendes Nicken an E.T.) unterwegs und werden von Eleven anscheinend zu Will geführt. Bei Will Zuhause angekommen verstehen sie nicht, wieso sie dorthin geführt wurden und Eleven vermag es nicht, ihnen zu sagen warum. Noch bevor sie zu Ende streiten können brettern Unmengen Polizeiautos an ihnen vorbei und sie steigen auf ihre Fahrräder um ihnen zu folgen.

Angebot

Der Höhepunkt der Folge kommt ganz zum Schluss als das Wandmonster wieder Einzug hält und Joyce es nun auch zu Gesicht bekommt. Und während Peter Gabriels Version des Lieds „Heroes“ anläuft sehen wir Hoppers Gesicht, als sie im Steinbruch Wills Leiche aus dem Wasser ziehen. Die Jungs sehen ihn auch und während Mike wütend auf Eleven davon fährt, trifft Joyce auf der Straße auf Jonathan und fällt ihm weinend in die Arme. Es wird zwischen ihnen und der Umarmung zwischen Mike und seiner Mutter hin- und hergewechselt und Peter Gabriels Zeilen besiegeln das traurige Ende der Folge, mit dem wohl keiner (auch nicht der Zuschauer) rechnete. „We can be heroes, just for one day.“

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