Wer sich in trauriger Stimmung wohlfühlt und manchmal eher dazu tendiert, als zur typischen Hollywood-Liebesgeschichte, ist hier genau richtig. Obwohl Leaving Las Vegas seinen Platz in meiner Sammlung gefunden hat, kann ich ihn mir nur alle paar Jahre ansehen, denn er ist wirklich sehr traurig. Sogar über seine Geschichte hinaus ist dieser Film mehr als tragisch. Er basiert auf dem semi-biographischen Buch von John O’Brien, einem vielversprechenden Autor, das 1990 erschien. 1994 begann die Produktion des Filmes unter der Regie von Mike Figgis. 2 Wochen nach Produktionsbeginn nahm sich John O’Brien das Leben. Es wurde überlegt, ob das Projekt eingestellt werden sollte, doch danach wurde beschlossen in Andenken an John O’Brien weiterzumachen.

Ähnlich wie bei Casablanca treffen hier zwei Menschen aufeinander, die bereits ein reges Leben hinter sich haben. Passend dazu ist der Ort Las Vegas, wo Chaos und viel Trouble herrschen. Die zwei Hauptcharaktere interessieren sich jedoch in unermesslicher Glaubwürdigkeit nur füreinander und für die Gefühle, die bedingungslose Liebe, die sie füreinander empfinden.

Leaving Las Vegas
© Universal Pictures

Die Vergangenheit und ihre Erlebnisse werden hier außer Acht gelassen. Man bekommt nur wage Rahmeninformationen darüber, warum sich Ben Sanderson (Nicholas Cage) in Las Vegas zutode trinken will oder warum Sera (Elisabeth Shue) zur Prostituierten wurde und sich ihrem Schicksal so stumm fügt.

Obwohl sie ganz klar auf der Verliererseite des Lebens gelandet sind, begreift der Zuschauer schnell, dass sie etwas besonderes sind. In dem Moment, in dem sie sich begegnen, sich gegenseitig den Respekt erweisen, der ihnen von der Gesellschaft aberkannt wurde und später auch lieben, entsteht die Magie und Stimmung, die von einem perfekt ausgewählten Soundtrack begleitet wird. Romantischer kann es jedenfalls nicht sein, als zwischen diesem exzessiven Trinker und der Prostituierten, die sich von ihrem Zuhälter sogar verstümmeln lässt. Verzweifelter als Sera kann man auch kaum sein, denn sie liebt einen Menschen, dessen Plan es ist, sich auf Raten umzubringen. Bis zum Schluss wagt man es nicht, sich vorzustellen, wie es wohl ausgeht. Den Begriff Liebesdrama wird der Film gerecht, doch zutreffender ist wohl Liebestragödie.

Leaving Las Vegas [Blu-ray]
Herausgeber: STUDIOCANAL - Auflage Nr. 0 (22.05.2009)
10,98 EUR

Nicholas Cage ist bekannt für seine radikalen Vorbereitungen und Recherchen für Filmrollen, er hat sich z. B. für den Film Birdy über den Vietnamkrieg ohne Betäubung einen Zahn ziehen lassen… Für Leaving Las Vegas hat er nach eigenen Angaben in Dublin ein paar Wochen vor Drehbeginn das sogenannte „Binge Drinking“ ausprobiert. (Hierbei ist das Ziel, so schnell wie möglich so betrunken wie möglich zu werden.) Währenddessen wurde er von einem Freund gefilmt und konnte danach die Aufnahmen studieren und angelernen, wie er im betrunkenen Zustand sprach und sich benahm. Ohne Zweifel Nicholas Cage in Höchstform: Der verdiente Oscar als Bester Hauptdarsteller folgte. Für Elisabeth Shue hat es leider nicht gereicht, obwohl sie nominiert war. Doch dafür gab es zwei weitere Oscars für den Besten Regisseur und das Beste adaptierte Drehbuch.

Für den Filmliebhaber der offen für Neues oder alternativ angehaucht ist und natürlich den Nicholas Cage Fan. Leaving Las Vegas enthält alles, was ein Liebesdrama ausmacht. Allem voran Tiefgang. Ein Manko heutzutage bei Liebesfilmen. Die Liebe, die hier porträtiert wird, stellt alles in den Hintergrund. Gewalt, Alkoholismus, Selbstzerstörung und sogar Prostitution. Wer möchte nicht auch einmal so lieben, dass er alles herum vergisst und gegen jede Vernunft Gefühle zeigt. Mit diesem Film kann man es für 111 Minuten.

Originaltitel: Leaving Las Vegas
Erscheinungsjahr: 1995
Dauer: 111 min
Regie: Mike Figgis
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Budget: $3.600.000
Einnahmen: $31.968.347 (USA)
(Quelle: IMDb)

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